Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Mannheim

Kooperative Radtour 26: Mit Verwaltung, Politik & Presse durch Mannheims Süden

Bei der dritten Kooperativen Radtour wurden Radstrecken im Mannheimer Süden gemeinsam mit Verwaltung, Politik, Presse und ADFC aus Sicht der Radfahrenden geprüft – mit Blick auf Sicherheit, Orientierung und konkrete Verbesserungsmöglichkeiten.

Die Kooperative Radtour ist ein Format des ADFC, bei dem gemeinsam mit Verwaltung, Politik, Presse Radstrecken vor Ort aus Sicht der Radfahrenden erlebt und bewertet werden. Als ADFC bringen wir die Sachkenntnis aus täglicher Erfahrung auf dem Rad ein: Wir sehen Stellen, die in Planung und Politik nicht auffallen – und haben meist auch eine Vorstellung davon, wie sie sich entschärfen lassen. Sichtbar machen heißt hier vermeidbar machen. Gute Radinfrastruktur, Klimaschutz und Verkehrswende sind erklärte Ziele der Stadt für alle Bürgerinnen und Bürger; die Verantwortlichen beim Einlösen dieser Ziele zu unterstützen, ist der Sinn der Tour. Sie steht in diesem Jahr unter unserem Schwerpunktthema „Radverkehr fördern – Sicherheit für Alle!" und damit unter der auch vom Land Baden-Württemberg verfolgten Vision Zero: keine tödlichen oder schweren Unfälle mit Radfahrenden. 

Die dritte Kooperative Radtour fand am 17.07.2026 statt und brachte die Stellen zusammen, die den Radverkehr in Mannheim prägen: die Stadtplanung, die Verkehrsbehörde als Genehmigungsinstanz und den Stadtraumservice, der die bauliche Umsetzung verantwortet. Aus der Politik, die den Rahmen setzt, konnten wir Jürgen Dörr (CDU), Karim Baghlani (SPD), Regina Jutz (Grüne) und Christiane Säubert (Mannheimer Liste) begrüßen, und nicht zuletzt waren Mannheimer Morgen, Rhein-Neckar-Zeitung und Rheinpfalz mit dabei. Über eine konkrete Kreuzung reden all diese Stellen im Alltag selten gemeinsam; auf dem Rad tun sie es, miteinander und mit uns. Man lernt sich kennen, und das trägt über den Nachmittag hinaus. Radverkehr wird nur dann mehr als Flickwerk am Rand einer autogerechten Stadt, wenn alle Beteiligten gemeinsam nach Wegen suchen. 

Die Strecke führte über 12 Kilometer und 13 Stationen vom Wasserturm durch die Schwetzingerstadt über den Lindenhof nach Neckarau und zurück zum Lindenhofplatz. Drei Stunden für zwölf Kilometer, das Verhältnis zeigt, worum es ging: nicht ums Fahren, sondern ums Hinschauen. An jeder Station war Zeit für kurze Gespräche und konkrete Vorschläge.

Entscheidend ist dabei weniger, was auf Plänen steht, als wie sich eine Strecke tatsächlich anfühlt. Vermittelt sie Sicherheit oder Gefährdung? Bietet sie Orientierung oder Verwirrung? Eine Bordsteinkante, ein zu schmaler Streifen neben parkenden Autos, eine Kreuzung, an der man sein Vorfahrtsrecht besser nicht in Anspruch nimmt. Solche Dinge fallen im Alltag auf, in der Planung nicht unbedingt. Und was für geübte Radfahrende Stress bedeutet, ist für weniger sichere ein Grund, das Rad stehen zu lassen. Besonders deutlich wurde das dieses Mal durch eine Mutter, die mit Fahrradanhänger und selbstfahrenden Kindern unterwegs ist und dabei Hindernisse erlebt, die allein Fahrenden gar nicht auffallen.

Nicht alles war Kritik: Der Radstreifen an der Kunsthalle zeigt, wie es gehen kann – großzügig angelegt und damit spürbar sicherer. An anderen Stellen prallten Vorschläge und Bedenken aufeinander, etwa beim Denkmalschutz am Wasserturm oder bei der Frage, wie sich Durchgangsverkehr aus Wohnstraßen heraushalten lässt, ohne Müllabfuhr und Rettungsdienste auszusperren. Nicht jede Idee lässt sich sofort umsetzen, doch der Perspektivwechsel sorgte mehrfach für Aha-Momente.

Am deutlichsten wurde der Handlungsdruck an der Steubenstraße, wo mit den Einmündungen Feldbergstraße und Hans-Sachs-Ring Mannheims Unfallschwerpunkt Nummer eins und drei für Radfahrende liegen. Immerhin soll bei der Sanierung 2027/28 das Plateau angehoben werden – bis dahin vergehen aber noch zwei Jahre. Wir halten deshalb an unseren Vorschlägen fest: Aufpflasterungen und ein vorgezogenes Tempo 30, das im Lärmaktionsplan ohnehin vorgesehen ist. Vorfahrtsberechtigte Radfahrende einzuschränken, weil beim Queren nicht auf sie geachtet wird, wäre dagegen kein Beitrag zur Verkehrssicherheit in dieser mit vielen Nahversorgern ausgestatteten Straße.

Für die Teilnehmenden wird es wie in den Vorjahren eine Dokumentation der besprochenen Punkte geben. Zum Abschluss gab es am Lindenhofplatz einen kleinen Imbiss und ‘Radler’. Die Gelegenheit zum Austausch wurde ausgiebig genutzt.

Inhaltlich liegt noch einiges vor uns. Die 4,0 im ADFC-Fahrradklima-Test bleibt der Maßstab, an dem Mannheim sich messen lassen muss – für eine flache Stadt ist das zu wenig, zumal Radinfrastruktur günstig im Bau und im Unterhalt ist und die Klimaziele ohne sie nicht zu erreichen sind. Die konstruktive Stimmung der Zusammenarbeit stimmt uns aber zuversichtlich. Bürgerinnen und Bürger sind wir alle - auch diejenigen ohne Auto. Die nächste Kooperative Radtour kommt 2027.

Verwandte Themen

Übergang sichern! Mehr Platz für Fuß und Rad am Alten Meßplatz

Gefährliches Nadelöhr am Alten Meßplatz: Gemeinsam mit Fuß e.V. fordern wir einen sicheren Übergang an der…

Kreuzung Steubenstr. / Feldbergstr.

Mannheims Unfallschwerpunkt Nr. 1 für Radfahrende: An der Kreuzung Steubenstraße/Feldbergstraße häufen sich Abbiege- und…

Kommentar: Mängelmelder soll eingestellt werden - mehr Hürden statt Transparenz

Die Stadt will den digitalen Mängelmelder abschalten und Meldungen über die 115 lenken. Das schafft Hürden, nimmt…

Baustopp beim Radschnellweg RS2 ist falsches Signal

Der ADFC Mannheim kritisiert den Baustopp beim Radschnellweg RS2 scharf. Das Aussetzen des Abschnitts "Ilvesheimer…

Dossier: Fahrrad-Unfallschwerpunkte in Mannheim

Der ADFC Mannheim verfolgt die Vision Zero: Keine Radfahrenden sollen im Straßenverkehr (schwer-)verletzt oder getötet…

Stellungnahme zum Unfallschwerpunkt Möhlstraße

Die Möhlstraße ist nach dem Wegfall des Voltastegs eine der wenigen Nord-Süd-Verbindungen Mannheims. Doch zwischen…

ADFC fordert Radschnellweg-Standard für Renzstraße

Der ADFC Mannheim fordert für die Renzstraße den Ausbau im Standard eines Radschnellwegs. Ziel ist eine sichere,…

Wer hilft?

Schäden am Radweg, Falschparker, defekte Ampel, gefährliche Stelle oder Fahrraddiebstahl? Hier finden Radfahrende in…

Unfallstatistik 24: Etwas weniger Radunfälle in Mannheim, weiter Handlungsbedarf

Erstmals seit 2017 gab es in Mannheim in 2024 keine tödlichen Fahrradunfälle. Doch die Zahl der Verletzten bleibt hoch.…

https://mannheim.adfc.de/artikel/kooperative-radtour-2026

Bleiben Sie in Kontakt