
Kreuzung Steubenstr. / Feldbergstr.
Mannheims Unfallschwerpunkt Nr. 1 für Radfahrende: An der Kreuzung Steubenstraße/Feldbergstraße häufen sich Abbiege- und Einbiegeunfälle. Die Stadt bestätigt die Unfallhäufungsstelle. Wir fordern Aufpflasterung und ein vorgezogenes Tempo 30.
Die Kreuzung Steubenstraße / Feldbergstraße ist nach den Auswertungen des ADFC Mannheim der Unfallschwerpunkt Nr. 1 für Radfahrende in Mannheim – und das, obwohl die Radfahrenden die Unfälle meist nicht verschulden. Wir haben unsere Analyse der Stadt beim Runden Tisch Radverkehr im November 2025 vorgestellt. Die Stadt Mannheim hat uns auch ausdrücklich bestätigt, dass es sich bei der Kreuzung Steubenstraße/Feldbergstraße um eine anerkannte Unfallhäufungsstelle handelt. Seitdem haben wir die Stadt zudem wiederholt schriftlich auf die Gefahrenlage hingewiesen und nachdrücklich darauf gedrängt, hier aktiv zu werden. Auf den ersten Blick wirkt die Stelle durch den breiten, von der Fahrbahn abgesetzten und rot markierten Radweg relativ sicher. Auffällig ist jedoch, dass es hier immer wieder zu Unfällen kommt; besonders im Zusammenhang mit Abbiege- und Einfahrvorgängen. Radfahrende sind auf dem Radweg der Steubenstraße in beide Richtungen vorfahrtsberechtigt.
Was die Daten zeigen
In den letzten Jahren wurden hier – inklusive der gegenüberliegenden Kreuzung Steubenstraße / Freiheitsplatz – auf Basis der Straßenverkehrsunfallstatistik 27 Unfälle erfasst (24 Leichtverletzte, 3 Schwerverletzte). Trotz vorhandener Beschilderung und roter Radfurtmarkierung reißt die Unfallserie nicht ab. Besonders häufig werden Radfahrende trotz rot markiertem Radweg von abbiegenden PKWs geschnitten oder angefahren, wodurch es zu Kollisionen und Stürzen kommt.
Typische Unfallmuster
Das wiederkehrende Muster ist der Einbiegen-/Kreuzen- bzw. Abbiegekonflikt: Kfz biegen ein oder fahren an, Radfahrende queren auf dem Radweg und ihr Vorrang wird zu spät erkannt oder missachtet. Besonders kritisch sind Situationen, in denen Radfahrende von rechts kommen und damit vorfahrtsberechtigt sind, aber beim Einbiegen bzw. Abbiegen aus der Feldbergstraße dennoch erfasst werden.
Beispiele aus Berichten (unvollständig)
- 13.07.2022: Beim Einbiegen von der Feldbergstraße in die Steubenstraße wird ein 29-jähriger querender Radfahrer am Hinterrad erfasst und verletzt sich durch den Sturz. Der Pkw-Fahrer entfernt sich zunächst von der Unfallstelle; später stellt die Polizei einen Alkoholwert von über 1,4 Promille fest.
- 26.07.2023: Vorfahrtmissachtung im Einmündungsbereich Feldbergstraße/Steubenstraße; ein 65-jähriger Radfahrer stürzt und wird verletzt.
- 23.09.2024: Ein Autofahrer biegt in Richtung Freiheitsplatz ein, missachtet den Vorrang eines 31-jährigen Radfahrers; der Sturz führt zu einer schweren Schulterverletzung.
- 24.07.2025: Konflikt auf dem Radweg nach einem Ausweichmanöver; eine Radfahrerin stürzt, der mutmaßliche Verursacher entfernt sich.
Warum ist es hier so gefährlich?
Unfälle mit Radfahrenden passieren innerorts besonders häufig an Knotenpunkten, dabei gehören Einbiegen-/Kreuzen- und Abbiege-Unfälle zu den typischen und häufigsten Konstellationen. Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) beschreibt dabei insbesondere das Konfliktfeld Abbiegen/Einbiegen und Kreuzen: Kfz kreuzen beim Abbiegen oder Einfahren die Radverkehrsführung; der Vorrang der Radfahrenden wird nicht beachtet. Genau dieses Risikoprofil passt zur Steubenstraße/Feldbergstraße. Was die Situation besonders kritisch macht: Autofahrende achten beim Einbiegen häufig nur auf den von links kommenden Kfz-Verkehr und übersehen dabei den von rechts kommenden, vorfahrtsberechtigten Radverkehr.
Was fordern wir konkret?
Aus ADFC-Sicht braucht es an dieser Unfallhäufungsstelle Maßnahmen, die das Abbiegen geschwindigkeitsärmer machen anstatt sich allein auf Markierungen zu verlassen, zumal die Kreuzung auf einem offiziellen Schulweg zur Almenhofschule liegt. Konkret haben wir eine Aufpflasterung (als Fahrradwegüberfahrt) angeregt; die Stadt hat dies nach unserer Darstellung als rechtlich möglich, aber teuer eingeordnet. Die geschätzten Kosten von jeweils rund 25.000 Euro für beide Kreuzungsbereiche (Feldbergstraße und Hans-Sachs-Ring) sind vergleichsweise gering – gemessen am Sicherheitsgewinn. Aufpflasterungen gelten als eines der wirksamsten und – angesichts der geringen Kosten – zugleich kosteneffizientesten Mittel für mehr Sicherheit im Radverkehr (Gårder et al., 1998; Golbabaei et al., 2025). Aufpflasterungen (erhöhte Geh- und Radwegüberfahrten) sind in den Empfehlungen für Fußgängerverkehrsanlagen (EFA) für Kreuzungen von Hauptstraßen mit untergeordneten Nebenstraßen ausdrücklich vorgesehen und werden in anderen Städten deutlich häufiger eingesetzt als in Mannheim. Ergänzend fordern wir, das geplante Tempo 30 für die Steubenstraße vorzuziehen.
Was machen wir als ADFC?
Wir begleiten die Unfallhäufungsstelle Steubenstraße/Feldbergstraße seit Längerem intensiv und auf mehreren Ebenen: Wir haben die Kreuzung auf Basis der Unfallstatistik als Mannheims Unfallschwerpunkt Nr. 1 für Radfahrende identifiziert, die Ergebnisse beim Runden Tisch Radverkehr eingebracht, konkrete bauliche Lösungen wie Aufpflasterungen bzw. erhöhte Geh- und Radwegüberfahrten vorgeschlagen und zudem ein vorgezogenes Tempo 30 gefordert. Tempo 30 ist hier ohnehin bereits im Lärmaktionsplan der Stadt Mannheim vorgesehen – die Stadt verfolgt dort sogar eine durchgängige Tempo-30-Strecke von der Kreuzung Landteilstraße/Helmut-Kohl-Straße über die Meeräckerstraße bis zur Kreuzung Steubenstraße/Rheingoldstraße. Es geht also nicht um eine neue Anordnung, sondern um deren Priorisierung und zeitnahe Umsetzung. Da der Verkehr hier ohnehin über Behelfsampeln läuft, ist für uns nicht nachvollziehbar, warum ein vorgezogenes Tempo 30 nicht kurzfristig möglich sein soll. Darüber hinaus haben wir die Stadt wiederholt schriftlich auf offene Fragen und Widersprüche hingewiesen und die besondere Schutzbedürftigkeit der Stelle als Teil eines offiziellen Schulwegs betont.
Update Juni 2026
In einem Gespräch mit dem Bündnis Fahrradstadt im Juni 2026 hat die Stadt die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen bestätigt und unserer Einschätzung zugestimmt, dass Aufpflasterungen bzw. erhöhte Radfurten hier ein wirksames Mittel sind. Jetzt muss den Worten die Umsetzung folgen.
Update Juli 2026: Neun Unfälle allein im Jahr 2025
Die inzwischen veröffentlichte amtliche Unfallstatistik für 2025 bestätigt die Dringlichkeit: Allein im Jahr 2025 verletzten ein- und abbiegende Autofahrende an dieser Kreuzung neun vorfahrtsberechtigte Radfahrende. Die Unfallserie setzt sich damit ungebremst fort – während die von uns vorgeschlagenen und von der Stadt als wirksam anerkannten Maßnahmen weiter auf ihre Umsetzung warten.









