
Seit der Sperrung der Kurt-Schumacher-Brücke fahren werktags knapp 14 Prozent mehr Menschen mit dem Rad über den Rhein. Quelle: Dauerradzählstellen der Stadt Mannheim, Grafik: ADFC Mannheim. © ADFC Mannheim
Radverkehr steigt deutlich an nach Sperrung der Kurt-Schumacher-Brücke
Weniger Autos, mehr Räder: Seit der Sperrung der Kurt-Schumacher-Brücke zählen die Dauerzählstellen knapp 14 Prozent mehr Radverkehr über den Rhein. Doch am Luisenring endet die Radspur im Nichts. Der ADFC Mannheim fordert eine sichere Auffahrt.
Nach Ende der Sommerferien in Rheinland-Pfalz zählten die Dauerzählstellen an der Konrad-Adenauer- und der Kurt-Schumacher-Brücke im Schnitt 5.748 Räder pro Wochentag. Das sind 13,8 Prozent oder knapp 700 Radfahrten pro Wochentag mehr als vor der Brückensperrung und 25 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Seit dem 5. August ist die Kurt-Schumacher-Brücke für den Autoverkehr gesperrt, für Radfahrende bleibt sie erfreulicherweise offen und ermöglicht weiterhin eine direkte Rheinquerung.
Das ist kein kurzfristiger Effekt: Die Bauarbeiten an der Kurt-Schumacher-Brücke sollen nach aktuellem Stand bis 2033 dauern (und anschließend soll die Konrad-Adenauer-Brücke saniert werden). Für Pendelnde zwischen Mannheim und Ludwigshafen – etwa zu Arbeitsplätzen bei der BASF – wird das Rad damit über Jahre zur verlässlichsten Verbindung über den Rhein.
„Die gute Nachricht: Die Brücke bleibt für den Radverkehr nutzbar, und so mancher Autopendler, der in Ludwigshafen arbeitet, besinnt sich gerade aufs Rad zurück“, sagt Frau G., Berufspendlerin zwischen Seckenheim und Ludwigshafen.
Gegen den Trend des Vorjahres
2025 sank der Radverkehr an den drei Zählstellen vom Frühsommer bis Ende September um 4,6 Prozent. In diesem Jahr stieg er im gleichen Zeitraum um 13,8 Prozent. An beiden Brücken wurden für den untersuchten Zeitraum Höchstwerte seit Beginn der jeweiligen Zählungen registriert. Nicht alle Radfahrten werden von den Zählstellen erfasst. Baustellenbedingte Ausweichrouten können dazu führen, dass Fahrten an den Messpunkten vorbeiführen, etwa über den freigegebenen Gehweg auf der Mannheimer Seite der Konrad-Adenauer-Brücke.
Nach ersten Analysen des ADFC Mannheim ist der gesamte motorisierte Verkehr über beide Brücken gegenüber Juni und Juli 2026 um etwa 20 Prozent eingebrochen. Auf der Konrad-Adenauer-Brücke allein hat sich der Kfz-Verkehr zwar mehr als verdoppelt, den weggefallenen Verkehr über die Kurt-Schumacher-Brücke gleicht das aber nicht aus. Da unterschiedliche Messmethoden zur Verfügung stehen, ist der ADFC Mannheim mit Smart City Mannheim, der Verkehrsplanung der Stadt und dem VRN in Kontakt, um diese Zahl zu präzisieren.
Luisenring: Radspur endet im Nichts
Wer aufs Rad umsteigt, wird am Luisenring allerdings allein gelassen. Die geschützte Radspur endet dort im Nichts. Danach müssen sich Radfahrende zwischen Warnbaken hindurch ihren Weg zur Rampe auf die Brücke suchen, einen ausgewiesenen Weg gibt es nicht. Ortsunkundige finden die Auffahrt oft gar nicht, beim ADFC Mannheim und bei der Stadt gingen dazu bereits Bürgeranfragen ein.
„Leider hat Mannheim die Chance verpasst, sich als Fahrradstadt zu präsentieren und den Radverkehr proaktiv mitzudenken“, sagt Frau G. „Die temporäre Verkehrsleitplanung kennt nur Autofahrer. Radfahrer müssen sich zwischen den Warnbaken hindurch den Weg zum Radwegeinstieg illegal suchen.“
„Anfangs habe ich mich mit der Situation arrangiert und mich ebenfalls zwischen den Baken durchgeschlängelt. Das ist aber nicht immer möglich: Die Baken stehen teilweise sehr eng, dahinter parken Autos, und der abgesperrte Bereich ist mittlerweile voller Glasscherben, weil dort keine Kehrmaschine fahren kann“, sagt Michael Olivari vom ADFC Mannheim, der zwischen der Neckarstadt und Ludwigshafen mit dem Rad pendelt. „Lastenräder und Räder mit Anhänger kommen zwischen den Baken nicht durch und müssen auf der Straße fahren. Das gleicht einem Spießrutenlauf.“
Nach Auskunft der Stadt konnte der Radverkehr bei der kurzfristigen Sperrung nicht unmittelbar berücksichtigt werden. Zwei Monate später gibt es allerdings noch immer keine Lösung und der ADFC Mannheim hat erneut nachgefragt.
Den Schwung nutzen
Der ADFC Mannheim fordert:
1. Die geschützte Radspur am Luisenring noch in diesem Herbst auf der gesperrten Fahrspur bis zur Rampe verlängern – gelbe Markierung und umgestellte Baken reichen dafür aus. Und sie dauerhaft dort lassen, auch nach der Sperrung.
2. Eine klare Wegweisung: Richtungspfeile auf der Fahrbahn und Schilder „Ludwigshafen“ am Luisenring, damit auch Ortsunkundige die Auffahrt finden.
3. Den Neubau von Anfang an mit dem Rad denken: Laut Stadt Mannheim sollen die Planungsleistungen bis Juni 2027 vergeben werden. Breite, getrennte Radwege und gute Anschlüsse auf beiden Rheinseiten müssen von Beginn an Vorgabe sein, nicht nachträglich.
4. Den Masterplan Mobilität 2035+ endlich ernst nehmen: Radverkehr bei Baustellen und Sperrungen von Anfang an mitplanen, statt ihn hinterher zu vergessen.
„Die Zahlen sind eine gute Nachricht: Viele Menschen nutzen die Sperrung, um nachhaltig und gesundheitsfördernd aufs Rad umzusteigen“, sagt Arne Warnke vom ADFC Mannheim. „Diesen Schwung sollte die Stadt Mannheim nutzen: Mit einer besseren Auffahrt am Luisenring kann sie zeigen, dass sie ihren eigenen Masterplan Mobilität 2035+ ernst nimmt und diesen Umstieg zur Gewohnheit werden lässt.“













