Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Mannheim

Bild: Feldbergstraße Mannheim von wegavision via Mapillary, CC BY-SA 4.0

Feldbergstraße: Wie sollen Kinder künftig sicher zur Schule radeln?

Die Eltern-Petition und gemeinsamer Druck zeigen Wirkung: Die Planung für die Feldbergstraße wird neu aufgerollt. Nun fordert die Elternvertretung des Moll-Gymnasiums ein Gesamtkonzept mit Vorrang für die Sicherheit der Kinder. Wir unterstützen das.

Update 21. Oktober 2026: Elternvertretung fordert ganzheitliche Planung

Die Elternvertretung des Moll-Gymnasiums hat sich heute mit einem ausführlichen Schreiben an den Bezirksbeirat Neckarau und andere Vertreter aus Politik und Verwaltung gewandt. Wir dürfen das Dokument mit freundlicher Genehmigung hier veröffentlichen:
Stellungnahme der Elternvertretung des Moll-Gymnasiums (PDF)

Die Eltern fordern unter anderem:

  • ein ganzheitliches Verkehrskonzept statt isolierter Einzelmaßnahmen, entwickelt in einem ergebnisoffenen Prozess unter Beteiligung von Schulen, Anwohnenden und Klinik,
  • eine Sicherheitsprüfung aller Varianten einschließlich des Status quo, mit besonderem Blick auf Dooring und radfahrende Schülerinnen und Schüler, und auch für Belchen- und Meerwiesenstraße,
  • die Deckung des Parkbedarfs der Klinik auf dem Klinikgelände sowie Anwohnerparken,
  • dass Mannheim seinem Anspruch als "Kinderfreundliche Kommune“ gerecht wird und die Schutzbedürfnisse von Kindern und Jugendlichen bei allen Entscheidungen ausdrücklich berücksichtigt.

Bei beidseitigem Parken blieben von heute 8,90 m Fahrbahn nur rund 4,90 m, ohne Schutzstreifen.

Als ADFC Mannheim unterstützen wir die Kernforderungen der Eltern ausdrücklich: Als unmittelbar betroffene Gruppe fordern sie zu Recht ein ganzheitliches Verkehrskonzept statt kurzsichtiger Einzelmaßnahmen, die den Schulweg durch neue Engstellen und Dooring-Gefahren unsicherer machen würden.

Update 30.09.26

Nach Informationen des Mannheimer Morgen (Artikel vom 29.09.2026) soll das Planungsverfahren nun neu aufgerollt und das Moll-Gymnasium und der ADFC Mannheim sollen endlich eingebunden werden. Über tausend Mannheimerinnen und Mannheimer haben in nicht einmal einer Woche ihre Unterschrift unter die Petition der Eltern gesetzt. Dazu kamen unzählige Rückmeldungen an Politik und Verwaltung. Das hat Wirkung gezeigt: Was als fertige Planung präsentiert wurde, steht plötzlich wieder zur Debatte. Wir bleiben dran, bis der Schulweg wirklich sicher ist.

Update 24.09.26

Inzwischen haben Eltern des Moll-Gymnasiums eine Petition gestartet, die vom ADFC Mannheim, dem VCD Rhein-Neckar und mehreren Elternbeiräten unterstützt wird. Sie fordert, den Schulweg nicht für Parkplätze zu verengen: https://c.org/djYb6xT7cw

Worum es geht

Anfang 2027 sollen in der nördlichen Feldbergstraße zwischen Speyerer Straße und Höhe Heiligenbergstraße auf beiden Seiten Parkplätze markiert werden. Geplant sind rund 70 zusätzliche Stellplätze, auf öffentlichem Grund, entlang eines Schulwegs. Wo heute Kinder zur Schule radeln, stehen dann Autos. Und das, obwohl die Stadt selbst noch im November 2025 dem Bezirksbeirat mitteilte, durch die Umstrukturierung des Brüderklinikum Julia Lanz sei “keine signifikante Änderung an Parkbedarfen” zu erwarten. Öffentlich beraten wurde darüber zunächst nicht. Dabei gehört eine Planung, die den Schulweg unserer Kinder verändert, vor der Entscheidung auf den Tisch unter Beteiligung der Schulen und Elternvertretungen.

Ein Schulweg für fünf Einrichtungen

Die Feldbergstraße ist einer der wichtigsten Radschulwege in Neckarau und im Lindenhof. Sie erschließt das Moll-Gymnasium und liegt im Einzugsgebiet der Diesterweg-Grundschule und der Almenhof-Grundschule. Auch der Tigriskindergarten und das Kinderhaus Belchenstraße liegen im direkten Umfeld. Hier sind jeden Morgen Kinder und Jugendliche unterwegs, viele von ihnen mit dem Rad. Und ab zehn Jahren dürfen sie nicht mehr auf den Gehweg ausweichen, sie müssen nach StVO auf die Fahrbahn. Genau den Platz, den sie dort brauchen, will die Stadt jetzt an Parkplätze vergeben.

Im offiziellen Schulwegplan ist die Feldbergstraße im Umfeld des Moll-Gymnasiums als Teil des Radschulwegnetzes mit Radverkehrsanlage dargestellt. Der dort vorhandene Radschutzstreifen soll nun ersatzlos entfallen. Die Stadt empfiehlt Familien also eine Route, die sie so umbaut, dass sie für Kinder und Jugendliche nicht mehr geeignet ist. 

Was die Verengung für Kinder bedeutet

Übrig bleibt eine schmale Fahrbahn, auf der Kinder und Autos denselben Raum beanspruchen. Konkret heißt das:

  • Plötzlich geöffnete Autotüren (sogenanntes Dooring) gehören zu den häufigsten Ursachen schwerer Radunfälle im Stadtverkehr. Künftig droht genau diese Gefahr in der Feldbergstraße.
  • Innerorts schreibt die StVO beim Überholen mindestens 1,5 Meter Abstand vor, bei Kindern verlangen Gerichte oft zwei Meter. Auf einer Fahrbahn, die durch Parkplätze schmaler wird, geht das nicht. Autos müssen dann hinter den Kindern bleiben – und werden es trotzdem oft nicht tun.
  • Tempo 30 wird bereits regelmäßig überschritten. Eine enge Fahrbahn mit zu schnellem Kfz-Verkehr erzeugt genau den Druck im Nacken, der Familien vom Rad vertreibt.
  • Mehr Parkplätze heißt mehr Rangieren. Genau dort, wo die Parkplätze entstehen sollen, wurde im September 2019 ein Mensch zu Fuß schwer verletzt, weil ein Pkw rückwärts ins Rollen geriet. Je mehr Autos dort ein- und ausparken, desto häufiger droht dies.

Ein sicherer Schulweg darf nicht voraussetzen, dass Kinder sich gegen drängelnde Autos behaupten – erst recht nicht, wenn sie für Autofahrende ohnehin schlechter zu sehen sind. Der absehbare Effekt: mehr Elterntaxis vor den Schulen, also noch mehr Kfz-Verkehr genau dort, wo er am wenigsten hingehört. Ausweichen ist auch keine Option: Wer zehn Jahre alt ist, muss auf die Fahrbahn. Schon heute ist die Feldbergstraße alles andere als ideal und kein Weg, den man Kindern gern zumutet. Umso weniger ist zu verstehen, warum die Stadt sie ausgerechnet verschlechtern will.

 

Unsere Kinder brauchen sichere Schulwege

Statt eigener Einzelforderungen schließen wir uns den Forderungen der Elternvertretung des Moll-Gymnasiums an: Ein ganzheitliches Verkehrskonzept muss zuerst kommen, und die Sicherheit der Kinder muss darin Vorrang haben.

Unabhängig davon bleibt unsere Forderung nach einer Aufpflasterung des Radweges an der Kreuzung Feldbergstraße/Steubenstraße bestehen. Kinder brauchen dort freie Sicht und einen sicheren Übergang.

Der Trend läuft ohnehin in die falsche Richtung

Bundesweit fahren immer weniger Jugendliche Rad, genau in dem Alter, in dem sie zum Moll-Gymnasium unterwegs sind. Wer das umkehren will, muss Wege anbieten, die sicher sind und sich auch so anfühlen. Ein Schulweg, auf dem Kinder sich zwischen Autos durchschlängeln, leistet das Gegenteil. Und die Planung widerspricht dem, was die Stadt sich selbst im Masterplan Mobilität 2035+ vorgenommen hat. 

Ein Verfahren, das Fragen aufwirft

In einer Vorlage vom 27. November 2025 lehnte die Verwaltung es ab, einen Antrag des Bezirksbeirats Lindenhof auf die Tagesordnung zu setzen (BBR-SV024/2025). Begründung: Laut Mitteilung der BBT-Gruppe sei "keine signifikante Änderung an Parkbedarfen zu erwarten", bauliche Änderungen seien nicht bekannt, ein Bauantrag nicht gestellt. Welche neuen Erkenntnisse haben seit November 2025 zu dieser veränderten Einschätzung geführt, und welche Lösungen wurden mit dem Klinikträger geprüft?

Wenige Monate später soll nun Parkraum zulasten des Straßenraums entstehen. Öffentlich beraten wurde darüber zunächst nicht. Die Bezirksbeiräte sollten davon erst erfahren, wenn die Planung steht. Auch der ADFC Mannheim als “Träger öffentlicher Belange” wurde hier zunächst nicht angehört. Eine Maßnahme, die die Sicherheit von Schulwegen berührt, gehört vor der Entscheidung in die öffentliche Beratung.
 

Fazit

Kein Parkdruck rechtfertigt es, einen Schulweg so umzubauen, dass Kinder ihn nicht mehr sicher befahren können. Der ADFC Mannheim fordert die Stadt Mannheim auf, vor jeder Umsetzung ein Gesamtkonzept vorzulegen, das beantwortet, auf welcher Route Kinder und Jugendliche künftig sicher zur Schule radeln.


Es ist nicht zu spät. Ursprünglich sollte Anfang 2027 markiert werden; jetzt wird neu geplant. Das ist die Chance für eine Lösung, die den Parkdruck ernst nimmt, ohne den Schulweg zu verschlechtern.

Sie fahren die Strecke selbst oder Ihr Kind tut es? Schreiben Sie uns, was Ihnen dort begegnet.

https://mannheim.adfc.de/artikel/feldbergstrasse-schulweg

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