Unfallstatistik 25: Licht und Schatten. Mehr Radunfälle, weniger Schwerverletzte
Die Zahl der Radunfälle in Mannheim ist 2025 auf den höchsten Stand seit mindestens 2016 gestiegen. Zugleich gab es weniger Schwerverletzte, aber zwei Menschen verloren auf dem Rad ihr Leben.

Das Statistische Bundesamt hat in dieser Woche die Unfallstatistik für 2025 veröffentlicht. Grundlage sind die von der Polizei erfassten Verkehrsunfälle mit Personenschaden. Der ADFC Mannheim hat die Daten zu Unfällen mit beteiligten Radfahrenden für die Jahre 2016 bis 2025 hier online visualisiert.
Das Bild für 2025 zeigt Licht und Schatten. Die Gesamtzahl der Unfälle mit beteiligten Radfahrenden stieg auf 338 – der höchste Wert seit Beginn der Datenverfügbarkeit im Jahr 2016 und ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr (2024: 282). Der Grund dafür ist, dass die Zahl der Unfälle mit Leichtverletzten stark angestiegen ist. Erfreulich ist dagegen die Entwicklung bei den schweren Unfällen: Die Zahl der Unfälle mit Schwerverletzten sank auf 28 – nach 33 im Jahr 2024 und 40 im Jahr 2023. Das ist der niedrigste Wert seit 2021.
Der Anstieg lässt sich dabei nicht mit einem gewachsenen Radverkehrsaufkommen erklären: Wie unsere Jahresübersicht zeigt, stagnierte der Radverkehr 2025 auf hohem Niveau (Zählstelle Renzstraße: +1,7% gegenüber 2024, Kurpfalzbrücke: −6,9%, Fernmeldeturm +6,0%).
Zwei Todesopfer im Jahr 2025
Der Schatten des Jahres 2025 wiegt schwer: Nachdem es 2024 erstmals seit 2017 keine tödlichen Radunfälle gegeben hatte, starben 2025 zwei Radfahrende auf Mannheims Straßen.
Ende Juni verunglückte unsere langjährige Aktive Ingrid Derwis an der BBC-Brücke (B38) tödlich. Ihr Tod hat uns als Verein tief getroffen – und er ereignete sich ausgerechnet an der Friedrich-Ebert-Straße/B38, einem der seit Jahren bekannten Unfallschwerpunkte für Radfahrende in Mannheim.
Ende September wurde ein 36-jähriger Familienvater in Feudenheim an der Kreuzung Wingertsbuckel/Am Aubuckel von einem Autofahrenden erfasst und tödlich verletzt. Der Unfallverursacher flüchtete vom Unfallort.
Der zweite Fall steht exemplarisch für ein Muster in den Polizeimeldungen 2025: Auffällig oft flüchteten Unfallverursacher – Autofahrende, aber auch Radfahrende oder Fußgänger, die andere verletzt hatten. Unser Appell an alle: Wer in eine Kollision verwickelt ist, darf sich niemals einfach vom Unfallort entfernen. Unfallflucht ist eine schwere Straftat.
Abbiegeunfälle bleiben die häufigste Ursache
Ein Blick in die Polizeimeldungen des Jahres 2025 bestätigt das bekannte Bild: Die meisten Unfälle mit verletzten Radfahrenden verursachen Auto- und Busfahrende, die beim Abbiegen oder Einbiegen nicht ausreichend auf den Radverkehr achten und Radfahrenden die Vorfahrt nehmen. Zwei Beispiele:
Im April bog in Franklin ein Busfahrer auf der Abraham-Lincoln-Allee nach rechts ab, missachtete dabei den Vorrang einer 70-jährigen Radfahrerin auf dem Radweg und erfasste sie. Der Busfahrer verletzte die Frau so schwer, dass sie mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden musste.
Im Dezember missachtete ein unbekannter Autofahrer in der Schwetzingerstadt beim Abbiegen von der Augartenstraße die Vorfahrt einer Radfahrerin auf dem Radweg der Möhlstraße – ein bekannter Unfallschwerpunkt – und stieß mit ihr zusammen. Der Autofahrer verletzte die 40-Jährige und fuhr anschließend davon.
Daneben zeigen die Meldungen weitere wiederkehrende Gefahren: unachtsam geöffnete Autotüren („Dooring"), zu enge Radwege, an denen es zu Zusammenstößen zwischen Radfahrenden untereinander oder mit E-Scootern kommt, sowie Hindernisse bzw. Sichtbehinderungen auf Radwegen.
Unsere Forderungen
Der Rückgang bei den Schwerverletzten ist ein positives Signal – doch zwei Todesopfer und ein Höchststand bei der Gesamtzahl der Unfälle zeigen: Von der Vision Zero ist Mannheim weit entfernt. Der ADFC Mannheim fordert deshalb:
- Kreuzungen sicherer machen, u.a. durch Aufpflasterungen an Einmündungen
- Tempo 30 im Stadtgebiet und Umsetzung des Lärmschutzaktionsplans
- Mehr Kontrolle von Falschparkern auf Rad- und Gehwegen
- Sichere Baustellenführungen für den Radverkehr
- Ampelschaltungen optimieren
- Sichtachsen freihalten (z.B. Grünschnitt, Werbetafeln)
- Mehr geschützte und baulich getrennte Radwege
- Lückenschluss im Radnetz: zügige Umsetzung der im Masterplan Mobilität 2035 beschlossenen Radverkehrsmaßnahmen
Nur so wird Radfahren in Mannheim sicher und attraktiv für alle.
Hinweis zur Statistik
Wichtig zu beachten: Die Statistik zählt Unfälle, nicht verletzte Personen. In den meisten Fällen dürften aber die Radfahrenden selbst die Verletzten sein. Unfälle, die nicht bei der Polizei gemeldet werden – etwa viele Alleinstürze – tauchen in der Statistik nicht auf.


